Vor 50 Jahren, am 19. April 1968, wurde die Ruderakademie Ratzeburg (RAR) feierlich eröffnet. Dieses Jubiläum haben wir zum Anlass genommen, die Historie dieser Einrichtung einmal genauer zu betrachten.

Wenn man ganz exakt ist, beginnt alles vor ca. 15.000 Jahren mit der Weichsel-Kaltzeit. Durch das Abschmelzen des Gletschereises entstand der heutige Naturpark Lauenburgische Seen, zu dem auch der Ratzeburger See gehört. Durch das Aufschütten von Dämmen wurde das Seegebiet in den Großen Ratzeburger See, den Domsee sowie den Großen und Kleinen Küchensee aufgeteilt – ein ideales Zentrum für alle Wassersportler – insbesondere für Ruderer.

Karl Adam etabliert den Rudersport in Ratzeburg

Die Gründung der Lauenburgischen Gelehrtenschule im Jahr 1845 sowie der eigenen Ruderriege rund 40 Jahre später ebneten den Weg für den Rudersport in Ratzeburg. 1948 wurde mit der Anstellung von Karl Adam als Lehrer und Ruderprotektor an der Lauenburgischen Gelehrtenschule der Grundstein für die späteren sportlichen Erfolge gelegt. Der „Ruderprofessor“ revolutionierte mit seinen Trainingsmethoden den Rudersport und initiierte im Jahr 1953 die Gründung des Ratzeburger Ruderclubs (RRC). 1960 in Rom führte Adam den Deutschland-Achter mit fünf Ratzeburger Ruderern zum Olympiasieg. Vier Jahre später bei den Olympischen Spielen gewann das DRV-Flaggschiff unter seiner Leitung die Silbermedaille.

Diese sportlichen Erfolge sorgten für internationale Anerkennung und waren 1965 Auslöser für die Stadt Ratzeburg, das Land Schleswig-Holstein und den Bund mehr in die Sportförderung zu investieren. Auch der Deutsche Ruderverband erkannte in Ratzeburg einen optimalen Standort für eine Ruderakademie als Bundesleitungszentrum. Dank der Zonenrandlage konnte die Stadt als Eigentümer den Neubau mit hohen Landes- und Bundeszuschüssen finanzieren.

Modernisierung in den 90er Jahren

Während der dreijährigen Planungs- und Bauphase wurde zunächst ein provisorischer Lehrgangsbetrieb in Baracken am Großen Ratzeburger See aufgenommen. 1968 konnte der Neubau der RAR mit insgesamt 31 Betten eröffnet werden. Anfang der 90er Jahre wurde die Akademie mit den letzten Mitteln der Zonenrandförderung modernisiert. Die Verpflegung wird ausschließlich aus eigenen Ressourcen gestemmt. „Wir haben insgesamt acht Mitarbeiter in der Küche und im Housekeeping, die die Sportler und Seminarteilnehmer bestens versorgen und auf individuelle Bedürfnisse eingehen“, erklärt Reinhart Grahn, Leiter der Ruderakademie und Fachvorsitzender des Ressorts Bildung, Wissenschaft und Forschung.

A-Mannschaft bereitet sich in Ratzeburg vor

Nach der Wiedervereinigung kam der Skull-Bereich fest nach Ratzeburg. „Unter der Leitung von Lothar Trawiel nahm der in der Ruderakademie beheimatete Bundesstützpunkt Ratzeburg/Hamburg eine erfreulich positive Entwicklung“, erinnert sich Grahn. Im Jahr 2002 wurde das Sportinternat Ratzeburg in Trägerschaft des Olympiastützpunktes Hamburg/Schleswig-Holstein gegründet. Als Standort entschied man sich für die Ruderakademie, wo heute in der Regel zwischen sechs bis acht Nachwuchsathleten wohnen und trainieren. Am Wochenende und seit 2009 auch in der unmittelbaren Wettkampfvorbereitung vor Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen trainiert die A-Nationalmannschaft in Ratzeburg. Auch die U23 holt sich dort jedes Jahr vor dem Saisonhighlight den letzten Feinschliff für eine erfolgreiche WM-Teilnahme. „Leider können wir der U19-Nationalmannschaft kein passendes Zeitfenster für deren WM-Vorbereitung anbieten, da diese parallel zu der der U23 verläuft und die Ruderakademie somit in diesem Zeitraum immer ausgebucht ist“, so das Präsidiumsmitglied.

Mit Meike Evers-Rölver, Lauritz Schoof und Florian Mennigen hat Ratzeburg in den letzten zwei Jahrzehnten auch drei „eigene“ Olympiasieger hervorgebracht. Evers-Rölver gewann sowohl 2000 in Sydney als auch 2004 in Athen Gold im Frauen-Doppelvierer. Acht Jahre später in London wurde Florian mit dem Deutschland-Achter Olympiasieger, Lauritz ruderte mit dem Doppelvierer ebenfalls zu Gold. Bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio konnte Lauritz den Titel verteidigen. „Damit konnte die Tradition der Ratzeburger Golderfolge der 60er Jahre erfolgreich wieder aufgenommen werden“, erklärt Reinhart Grahn.

Schon früh wurde klar, dass neben dem hochleistungssportlichen Betrieb ein weiteres Standbein von Nöten sei. Deshalb sprach man schon damals davon, „die Ruderakademie als eine geistige Begegnungsstätte etablieren zu wollen“, erzählt Grahn. Der Bereich Bildung wurde über die Jahre hinweg immer weiter ausgebaut. Vor einigen Jahren wurde das DRV-Fachressort Bildung, Wissenschaft und Forschung schwerpunktmäßig nach Ratzeburg verlegt und mit einer hauptamtlichen Stelle eines Referenten Bildung versehen. Heute ist die Ruderakademie eine feste Institution für Weiterbildung und Seminare, die insbesondere in den Wintermonaten, in denen der Ruderbetrieb witterungsbedingt nur eingeschränkt stattfinden kann, für eine angemessene Auslastung sorgen.

Regelmäßiger Besuch von Ministerpräsidenten

Das Land Schleswig-Holstein weiß als finanzielle Zuwender die Arbeit der RAR sehr zu schätzen. Besuche der jeweiligen Ministerpräsidenten bestätigen dies. „Wir freuen uns immer wieder, wenn uns die Ministerpräsidenten einen Besuch abstatten und sich die Akademie anschauen“, so Grahn und ergänzt. „Wir sind das High-Performance-Center im echten Norden, Rudern ist hier oben ganz klar – gemessen an den olympischen Erfolgen – die Sportart Nummer eins.“

Ansprechpartner der Ruderakademie

Reinhart Grahn – Leitung
Susanne Illmann – Verwaltung und Terminbuchungen
Angelika Stock – Leitung Hauswirtschaft
Andreas König – Referent für Bildung
Dirk Spierling – Hausmeister
Kay-Uwe Brodersen – Bootsmeister

Quelle: rudern.de, 19. April 2018

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