26 neue motivierte Trainer B im Deutschen Ruderverband

Im September und November 2016 trafen wir uns zu zweimal 4 Tagen Präsenzzeit in der Ruderakademie in Ratzeburg. Mit dabei Trainer aus ganz Deutschland – alle gewillt ihre Trainer B-Lizenz zu erlangen.

Beim obligatorischen Kennlernspiel von Seminarleiter Andreas König, bekam man bereits einen ersten Eindruck mit wem man die nächste Zeit hier verbringen wird. Besonderes Highlight dieser Gruppe war die Vielfalt der Teilnehmer. So war vom Nachwuchstrainer über Landestrainer und noch aktive Ruderer alles dabei. Besonders erfreulich war es dabei Tim Grohmann, Goldmedaillengewinner von London 2012 und Ersatzmann von Rio 2016, mit an Bord zu haben. So entstanden auch während der Vorträge einige interessante Diskussionen und ein lehrreicher Austausch aller Beteiligten.

Den ersten Präsenzblock starteten wir mit den Themen Krafttraining, Ernährung, Zielgerechtes Rudermaterial, Sportmedizin und Sportpsychologie. Das Thema Krafttraining übernahm Martin Zawieja und hinterließ bei einigen mit seinen praktischen Übungen bleibenden Eindruck. Uwe von Renteln übernahm den Part der Ernährung, Marc Swienty das zielgerechte Rudermaterial, Dr. Ulrich Kau brachte uns noch einmal die Sportmedizin nahe und Wencke Schwarz übernahm den Part der Sportpsychologie bevor uns Andreas mit einer Hausaufgabe in die Heimat schickte.

In der Pause zwischen den beiden Präsenzblöcken sollten wir aber nicht faul sein. Erstmals mit der im DRV verwendeten Online-Lernplattform edubreakSportcampus wurden wir im September vertraut gemacht. Unsere Hausaufgabe bestand darin, ein Video während unseres Trainings mit den Sportlern zu machen. Einmal auf die Plattform geladen, konnten alle anderen Seminarteilnehmer sehen, wie wir unser Training gestalten. Aufgabe war es, sich selbst zu reflektieren. Wir sollten uns dabei folgende Fragen stellen:

  • was mache ich schon gut?
  • was könnte ich noch verbessern?
  • wie ist meine Gestik und Mimik?
  • sind meine Ansagen klar und deutlich?
  • versteht mein Sportler mich?
  • wie gebe ich Feedback?
  • welches Feedback gibt der Sportler?
  • wie gehe ich auf das Feedback des Sportlers ein?
  • was könnte ich anders machen?

Dabei mussten wir feststellen, dass es nicht einfach ist sich selbst zu filmen oder filmen zu lassen. Niemand hört sich gerne reden, aber es ist auch eine Erfahrung, die wir nicht mehr missen möchten. Zu der Aufgabe gehörte es aber nicht nur sich selbst zu reflektieren, sondern auch die anderen Teilnehmer der jeweiligen Kleingruppe. Das oft nur positive Feedback der anderen Trainer zeigte einem, dass man eine gute Arbeit macht und gab einem ein gutes Gefühl. Außerdem war es sehr interessant, sich alle Videos anzuschauen und zu sehen, wie andere eventuelle Technikfehler ansprechen, für Rudermaterial besitzen, in welcher Umgebung sie rudern oder Technikübungen einbauen. Diese Hausaufgabe verkürzte die Zeit bis zum zweiten Präsenzblock ungemein – schon war es November.

Während man beim ersten Block noch in Flip-Flops schwitzend im Seminarraum saß, lag diesmal bereits der erste Schnee und es war Mützenpflicht angesagt. Der zweite Block sollte genauso spannend anfangen, wie der erste aufgehört hatte.

Volker Grabow begann den Block mit dem Thema „Entwicklung der ruderischen Leistungsfähigkeit und dem Training planen /auswerten“ bevor am zweiten Tag Tobias Puck zu uns stieß. Tobias hatte den Part des „Stabilisations- und Athletiktrainings in der Theorie und Praxis“. Ähnlich wie Martin Zawieja im September brachte uns diesmal Tobias ordentlich ins Schwitzen. Seine Übungen, die er unter anderem auch mit dem U23-Kader und dem Deutschlandachter macht, hinterließen bei vielen noch Tage später ihren Eindruck. Es gab kaum jemanden, der nicht am nächsten Tag ordentlich Bauch- oder Beinmuskelkater hatte. Dennoch stellten wir fest, dass wir bereits ein sehr fundiertes Wissen in diesem Bereich haben. Die neuen Übungen hielt Andreas fleißig mit einer Kamera fest. Unsere Nachwuchssportler in ganz Deutschland werden wohl in den nächsten Wochen ordentlich Muskelkater haben.

Weiter ging es mit Thorsten Kortmann und den Themen „Perspektiven der Rudertechnik und Rudertechnik vermitteln“ sowie „Trainings- und Übungsformen im Rennrudern“. Der Vortrag „Coaching und Kommunikation“ von Birte Hoffmann musste leider ausfallen, da es sie wie viele andere gesundheitlich ans Bett gefesselt hatte. Sie hatte jedoch vorher allen Teilnehmern in der Online-Lernumgebung eine Rückmeldung gegeben und sie berichtete dazu kurz in einer Videoschalte in den Seminarraum.

Andreas hatte eine klasse Idee und konnte auch Tim Grohmann von dieser Idee überzeugen. So durften wir einen spannenden Einblick bekommen, wie die Qualifizierung für ein Olympiaboot stattfindet, wie die Trainingsvorbereitungen laufen und wie es in Rio allgemein war. Tim konnte dazu uns einige interessante Bilder zeigen und es erfolgte ein reger Austausch über Nominierungskriterien, die Sicherheit in Rio und welche Olympischen Spiele er denn nun besser fand. Einen Olympiasieger hautnah zu erleben und sich auszutauschen, das bekommt man nicht alle Tage.

Nach Tim seinem Vortrag blieb uns noch Zeit, unsere Prüfungsthemen vorzubereiten. Jeder hatte dazu im September ein Los gezogen und wurde einer Kleingruppe zugeteilt. Diese sollten dann in 15min die prägnantesten Punkte ihres Themas wiedergeben.

Der letzte Tag, war sogleich der Prüfungstag. Jede Kleingruppe stellte ihr Thema vor und präsentierte es. Dabei konnte der Rest noch einmal alle Fakten verarbeiten und wiederholen. Zum Schluss übergab Andreas in Zusammenarbeit mit Reinhart Grahn vom DRV-Präsidium die Lizenzen. Alle haben bestanden! Damit steht dem DRV nun 26 neue motivierte Trainer B zur Verfügung.

Aber natürlich wurde nicht nur gelernt. Die Ruderakademie ist für solch einen Lehrgang der perfekte Ort. Vom reichhaltigen Frühstücks-, Mittags- und Abendbrotbuffet bis zur Unterkunft war alles perfekt. Es musste keiner hungrig zu Bett gehen oder konnte seinen Bewegungsdrang nicht nachgehen. So sah man oft einige Sporthungrige um 7 Uhr morgens, noch vor dem Frühstück, bereits schwitzend auf dem Ergo sitzen oder im Kraftraum die Hanteln schmeißen. Und wer vom Stabilisationtraining durch Tobias noch nicht genug hatte, der spielte abends noch Fußball. Besonders war auch die Gruppe, trotz einem Altersunterschied vom jüngsten Teilnehmer mit 19 Jahren und dem ältesten mit 57 Jahren, verstand die Gruppe sich super. Das Restaurant Lavastein wurde so abends oft zum geselligen Treffpunkt aller Teilnehmer. Hier wurde bei dem ein oder anderen Isotonischen Getränk der Tag ausgewertet, diskutiert und vor allem gelacht.

Mandy Reppner, Ruder-Club Potsdam

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