Olympiastützpunkte – Experten für Sportler

Im Zuge der neuen Leistungssportreform wurden mit dem Olympiastützpunkt Hamburg/Schleswig-Holstein, dem OSP Berlin und dem OSP Dortmund drei Standorte in Deutschland ausgewählt, die mit ihren Angeboten und Rahmenbedingungen den Sportlern auf ihrem Weg nach Tokio 2020 die besten Voraussetzungen bieten.

Doch wie sieht diese Unterstützung eigentlich aus? Wer zieht an welchen Fäden? Dafür ist zunächst ein Blick auf die Strukturen und Aufgabengebiete nötig. An der Spitze stehen die jeweiligen OSP-Leiter, die als Geschäftsführer sowohl administrative als auch operative Aufgaben ausüben. In Hamburg ist dafür Ingrid Unkelbach, in Berlin Harry Bähr und in Dortmund Thomas Friedhoff verantwortlich. „Die Tätigkeitsbereiche als OSP-Leiter sind sehr vielfältig. Ich bin für Personalführung, Organisation und Sicherstellung der zu bringenden Serviceleistung verantwortlich, kümmere mich um das Regionalmanagement sowie die Entwicklung und Pflege von Netzwerken in der Region Berlin. Dabei werde ich natürlich von Kollegen unterstützt“, erklärt Bähr. Hinzu kommen „die Durchführung von Verhandlungen mit Behörden, Institutionen und Vertretern der Wirtschaft sowie die Vorbereitung von Verträgen, die Planung, Erstellung und Abwicklung des Haushaltsplanes und die Abstimmung mit den Partnern wie DOSB, Spitzenverbänden, Fachverbänden und Landessportbünden“, ergänzt Ingrid Unkelbach. Fehlen darf natürlich auch nicht die Mithilfe bei der technischen Fortentwicklung in den Sportarten mit der Zielstellung erfolgreiche Teilnahme an internationalen Wettbewerben.

Aufwand ist gestiegen
Der bürokratische und verwaltungstechnische Aufwand ist in den vergangenen Jahren exorbitant gestiegen. „15.000 Mails im Jahr sind kaum zu bewältigen. Immer neue Auflagen und Termine belasten die tägliche Arbeit. Bei immer neuen Arbeitskreisen wird es zunehmend schwieriger, alle Termine zu koordinieren oder daran teilzunehmen. Die Finanzierung der Olympiastützpunkte ist trotz erheblich gestiegener Anforderungen faktisch seit Jahren rückläufig“, merkt Thomas Friedhoff kritisch an. Dem stimmt auch Harry Bähr zu. „Die Prozesse sind im Zuge der Leistungssportreform ungeordneter und es ist alles ein Stück weit unüberschaubarer geworden. Man hat schon noch den Überblick, aber es ist mit dem zur Verfügung stehenden Zeitbudget kaum noch zu leisten.“

Umso wichtiger ist die Zusammenarbeit und Koordination einer Vielzahl an Spezialisten mit den Arbeitsschwerpunkten Leistungsdiagnostik, Trainingswissenschaften, Medizin, Physiotherapie, Laufbahnberatung, Psychologie, Ernährungsberatung, Sportverwaltung und Internatsbetrieb.

Der Deutsche Ruderverband profitiert davon, dass über die OSP angestellte Leistungsdiagnostiker und Trainingswissenschaftler fast ausschließlich für den Rudersport verantwortlich sind. „Ich bin beim OSP Berlin angestellt und dort für die Betreuung des Wasserfahrsports (Rudern, Kanu und Segeln) zuständig. Momentan nimmt der Bereich Rudern aber 90 % meines Aufgabenbereichs in Anspruch“, erklärt der Berliner Trainingswissenschaftler Alexander Hahn. Mark Amort vom OSP Hamburg/Schleswig-Holstein ist sogar komplett für Rudern abgestellt. Die Aufgabengebiete erstrecken sich von komplexer Leistungsdiagnostik über Feedbacktraining bei Messbootfahrten, Video- und Technikanalysen, die Weiterentwicklung der Messtechnik bis hin zur Stufentestbetreuung und Auswertung von Trainingsdaten. Das setzt natürlich voraus, dass die Experten auch zu Trainingswochenenden, Trainingslagern, UWVs und natürlich den Regatten mitfahren. Mark Amort hat ausgerechnet, dass der Aufwand für die Betreuung der Nationalmannschaft bei rund 150 Tagen im Jahr liegt, „davon gehen allein 80 Tage für Trainingslager und Wettkämpfe drauf.“ Alexander Hahn kommt auf „10–12 Arbeitsstunden an normalen Trainingstagen, an halben Trainingstagen sind es etwas weniger.“

Ein regelmäßiger Austausch mit den sportlichen Leitern sowie den Athleten ist unerlässlich. „Übergreifend finden natürlich auch immer Diskussionen mit OSP-Kollegen und Trainingswissenschaftlern anderer OSPs statt“, ergänzt Amort.

Reger Austausch zwischen OSP-Leiter und Disziplintrainer
Seit der neuen Leistungssportreform unterscheidet der DRV zwischen Disziplin- und Bundestrainern. „Neben der Betreuung von Kaderathleten am Stützpunkt ist man als Disziplintrainer verantwortlich für die Leitung und Führung des entsprechenden Bereichs. Zu den Aufgaben zählen unter anderem die Erstellung der Jahresplanung sowie die Herausgabe von trainingsmethodischen Vorgaben“, erklärt Marcus Schwarzrock, verantwortlich für den Bereich Männer-Skull. „Als Disziplintrainer muss ich täglich entscheiden, wie, was und wieviel trainiert wird und welcher Trainer sich mit wem und welchem Training beschäftigt. Zusätzlich muss ich mit allen Prozessbeteiligten wie Physios, Leistungsdiagnostikern, Ärzten und Bootsmeistern sprechen und mit ihnen zusammen die gemeinsame Planung vornehmen“, ergänzt Disziplintrainer Männer-Riemen, Uwe Bender. Ein wesentlicher, zusätzlicher Bestandteil ist die Vorgabe von Kriterien zur Nominierung in die Nationalmannschaft und die Leitung, Steuerung und Durchführung der Mannschaftsbildung.

Nicht zuletzt durch die Nutzung von Räumlichkeiten stehen Disziplintrainer und OSP-Leiter regelmäßig in Kontakt. „Wir haben am Bundesstützpunkt in Dortmund regelmäßig Besprechungen im Trainerkreis mit dem OSP-Leiter. Der Austausch ist sehr gut“, so Uwe Bender. Dem stimmt auch OSP-Leiter Thomas Friedhoff zu. „Wir tauschen uns sehr intensiv aus.“ Gleiches gilt für den OSP Hamburg/Schleswig-Holstein. „Ich schätze die Zusammenarbeit mit Ingrid Unkelbach sehr. Da wir die Einrichtungen des OSP für das Krafttraining und zum Teil auch für das Ergometertraining nutzen, ist durch die räumliche Nähe eine direkte und unmittelbare Kommunikation immer möglich“, erklärt Marcus Schwarzrock.

Auch in Berlin klappt die Kommunikation zwischen den Trainern Alexander Schmidt und Sven Ueck mit Leiter Bähr sehr gut. „Wenn es themenbezogen ist, sind wir immer konkret beteiligt. Ein Beispiel wäre dann die Kraftraumerweiterung am Hohenzollernkanal. Da sind wir als OSP dann auch ein Stück weit in der Vermittlerrolle zwischen DRV, Bundesstützpunkt, Senatsverwaltung und BMI.“

Unterstützung bei der Dualen Karriere
Eine große Hilfestellung leisten die Olympiastützpunkte auch hinsichtlich der dualen Karriere. Es wird versucht, den Athleten die bestmöglichen Rahmenbedingungen zu bieten, um Leistungssport und Studium parallel erfolgreich auszuüben. „In Berlin haben wir ein großes Netzwerk, das wir den Sportlern zur Verfügung stellen“, so Bähr. Auch in Hamburg findet ein enger Austausch mit den Hochschulen und Universitäten insbesondere in Bezug auf Flexibilisierungsmöglichkeiten statt. Anfang März hat der Senat zudem die Einführung einer Spitzensportlerquote für die Vergabe von Studienplätze für Masterstudiengänge und höhere Fachsemester beschlossen. Demnach fallen zwei Prozent der Studienplätze im jeweiligen Studiengang unter die Regelung, die für Sportler/-innen mit Bundeskaderstatus für eine am OSP betreute Sportart gilt. Dank Kontakte zu zahlreichen Großunternehmen können zudem Praktikumsplätze im Hamburger Raum vermittelt werden. In Dortmund arbeitet man eng mit diversen Partnerschulen des Leistungssports und der NRW Sportschule zusammen. Zudem gibt es auch hier eine Profilquote für die größten Universitäten.

Medizinische Versorgung ist sehr gut
Auch im medizinischen Bereich sind die OSPs sehr gut aufgestellt. In Berlin hat man beispielsweise mit dem DOSB-Olympiaarzt Bernd Wolfarth einen starken Vertreter am Charité. „Die Athleten können bei uns zudem die Physiotherapie nutzen, wir haben im Olympiapark ein entsprechendes Angebot, damit der Weg für die Ruderer nicht so weit ist“, erklärt Bähr. Hamburg und Dortmund bieten ebenfalls ein breites Angebot an Physiotherapie und Rehabilitation. Zudem bestehen mehrere Kooperation mit lokalen sowie Universitätskliniken.

Bei der Wohnungssuche wird ebenfalls unterstützt, allerdings ist der Wohnungsmarkt in allen Städten sehr angespannt. „In Hamburg haben wir eine Kooperation mit Wohnungsbaugenossenschaften für Mietwohnungen, zudem bieten wir im OSP-Wohnheim Kurzzeit-Mieten an“, erklärt Ingrid Unkelbach. Gleiches gilt für den Stützpunkt in Dortmund, der zudem noch Mietkostenzuschüsse anbietet. „In Berlin unterstützen wir zusätzlich zusammen mit unseren Wirtschaftspartnern bei der Suche“, so Bähr. Für Verpflegung ist an den Stützpunkten ebenfalls gesorgt.

Alles in allem also ein „Rundum-sorglos-Paket“, das die Olympiastützpunkte den Athleten zur Verfügung stellen.

Quelle: rudern.de, 5. April 2018

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