Velkommen til Danmark!
Der Langtursstyrmands-Lehrgang in der Ruderakademie Ratzeburg vom 6.-8. März 2026
Langtursstyrmand – was ist das? Nun, dahinter verbirgt sich zunächst einmal die dänische Bezeichnung für Obleute, die berechtigt sind, in Dänemark auf Wanderfahrten Boote zu führen. Ohne zumindest einen verantwortlichen Langtursstyrmand erhält ein deutscher Ruderverein keine Boote von einem dänischen Verein. Tatsächlich umfasst der Begriff aber deutlich mehr. Dies haben die 25 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des diesjährigen Langtursstyrmands-Lehrgangs in der Ruderakademie in Ratzeburg gelernt. Aber der Reihe nach.
Seit einigen Jahren ermöglichen es der dänische Ruderverband (DFfR: Dansk Forening for Rosport) und der Deutsche Ruderverband Interessierten, sich zum Langtursstyrmand ausbilden zu lassen. Diese anstrengende Aufgabe übernahmen in diesem Jahr Katrin Fritzsche und Jens Herzig vom Slesvig Roklub, dem Ruderverein der dänischen Minderheit in Schleswig, und Niels Henriksen vom Dansk Studenter Roklub in Kopenhagen, der als dänischer Muttersprachler seine Beiträge auch in Deutsch vortrug.
Der Lehrgang begann am Freitagabend mit dem gemeinsamen Abendessen in der Ruderakademie, anschließend gab es Programm bis gegen 21 Uhr: Vorstellen, Überblick über die Organisation des Rudersports in Dänemark, das Langtursreglement und Versicherungen … letztere sollten uns bis zum Ende begleiten, denn – merke! – der Schutz der üblichen deutschen Haftpflicht- und Kaskoversicherungen reicht oft nicht aus und sollte deswegen bei der Planung einer Wanderfahrt (in Dänemark, allerdings auch in Deutschland) dringend überprüft werden.
Über die Versicherungen hinaus haben die Langtursstyrmands-Anwärterinnen und Anwärter über die Dauer des Lehrganges ein straffes Programm absolviert, nämlich unter anderem: Materialkunde, Planung einer Wanderfahrt (Langtur) von der Strecke über die Versicherung, die Bootsausrüstung, die Wetterbedingungen, die Seesicherheit und die erste Hilfe bis hin zur ordnungsgemäßen Beendigung der Fahrt (oder der ungewollten Unterbrechung durch Schäden oder Ausfälle von Teilen der Besatzung). Der Umgang mit der Seekarte wurde erprobt, der Kompass eingesetzt, dieser auch im Freien bei Übungen zur Peilung. Der Lehrgang ließ weder notwendigen Stoff noch Wünsche offen – vielleicht doch einen: die praktischen Übungen an und in den beiden mitgebrachten Inrigger-Booten bei schönstem Wetter machten Lust auf eine Ausfahrt, die sich zeitlich aber leider nicht einschieben ließ, es soll aber im September einen praktischen Kursteil auf dem Wasser geben. Es gab sogar die praktische Übung, nach eigenem Gusto eine Wanderfahrt zu konzipieren und anschließen der ganzen Gruppe in einem fünfminütigen Vortrag vorzustellen – die durchaus kritische Rückfragen hatte. Womöglich wäre die eine oder andere Fahrt in der tatsächlichen Ausführung länger geworden, denn – merke! – Buchten, Sunde und Förden dürfen nur dann überquert werden, wenn der maximale Abstand zum Ufer 2,5 Kilometer nicht überschreitet. Das Spektrum der vorgestellten Fahrten ging von der Wochenendfahrt unter Freund(inn)en mit Übernachtung im Bootshaus bis zur Mehrtagesfahrt mit Hotelübernachtung. Der Lehrgang endete am Sonntag mit einer schriftlichen Prüfung und der anschließenden Besprechung der Ergebnisse.
Katrin, Jens und Niels ist es zu verdanken, dass der Lernstoff, der teilweise nicht von sich aus mitreißend wirkt, interessant war und der Lehrgang kurzweilig. Ein Quiz von Zeit zu Zeit half beim Repetieren, Bewegungsübungen hielten die Aufmerksamkeit durchweg auf hohem Niveau. Vielen Dank den Lehrenden, die ihre Freizeit mit uns verbracht haben. Es war eine Freude, Euch kennenzulernen und zu erleben. Eure Begeisterung für die Sache steckt an – um es mit den Worten einer Teilnehmerin zu formulieren, die eigentlich keine Wanderfahrerin war und „nur“ gekommen war, um mit einem interessanten Seminar den Trainer-C-Schein zu verlängern: „Ihr habt mich umgedreht, jetzt will ich das auch machen.“
Dank gebührt auch Andreas König, Referent Bildung des Deutschen Ruderverbandes, der den Lehrgang von Seiten des DRV begleitete und für alle Belange zur Verfügung stand.
Und zuletzt ein Wort zur Unterkunft, der Ruderakademie Ratzeburg: Sie ist in jeder Hinsicht ideal – moderne, funktionale Zimmer, eine ordentliche Mensa mit Speisenangebot für (fast) alle Vorlieben und ein großzügiger Seminarraum.
Kurzum: Der Lehrgang war ein voller Erfolg und kann in jeder Hinsicht empfohlen werden. Es bleibt zu hoffen, dass er auch weiterhin stattfinden kann, damit sich das Wissen über das Wanderrudern in dänischen Gewässern verbreitet.
Und jetzt, liebe Langtursstyrmands-Bezwingerinnen und Bezwinger: Velkommen til Danmark! Vielleicht treffen wir uns ja auf einer der Fahrten. Kontakte sind zahlreich geknüpft.
Christian Scholz, Ruder-Club Nassovia Höchst 1881 e.V.



Hinterlasse einen Kommentar
An der Diskussion beteiligen?Hinterlasse uns deinen Kommentar!