Olympia-Jahre sind heiße Jahre für die beiden Bootsmeister

Geht nicht gibt's nicht: Jost Schömann-Finck (links) und Markus Schmitz beim Weltcup in Poznan. Foto: Hans Strauß

Olympische Jahre sind intensive Jahre – auch für die Bootsmeister des DRV. Die Material-Logistik ist kompliziert, wenn Trainings- und Regatta-Orte zahlreich sind. Mit dem Weltcup im polnischen Poznan hat die heiße Phase begonnen. Dort wurde die Planung für die nächsten Wochen in Absprache mit Sportdirektor Mario Woldt, Cheftrainerin Brigitte Bielig und Leistungssportreferent Jannik Möller festgeklopft.

Markus Schmitz (48) ist seit 2006 Bootsmeister am Bundesstützpunkt Dortmund, Jost Schömann-Finck (41) hat seit 2019 die gleiche Funktion am Bundesstützpunkt Hamburg/Ratzeburg in der Ruderakademie Ratzeburg. Beide sind gelernte Bootsbauer. Markus lernte sein Handwerk in Krefeld mit dem Bau von Holzbooten in Mahagoni und Teak, Jost in Schleswig-Holstein. Beide wissen aus dem FF, wie man Boote schnell macht, wie man sie auf die Athleten einstellt, und wie man sie repariert.

Arbeitsmotto „Geht nicht gibt‘s nicht“

Ihr Arbeitsmotto auf Dienstreisen: Geht nicht gibt’s nicht. Probleme sind da, um sie zu lösen. „Improvisationstalent muss man in diesem Beruf schon haben“, sagt Markus. Auf Wunsch gibt es vor einem Finale als besonderen Service gerne noch eine Bootspolitur. Jost war selbst Nationalruderer, drei Mal Weltmeister im Leichtgewichts-Achter und -Vierer ohne. Drei Jahre nach dem Ende seiner aktiven Karriere heuerte er beim DRV als Bootsmeister an. Markus ist seit Kindheit begeisterter Windsurfer.

Im Duo erlebt man die Beiden nur bei den besonders stark beschickten und entsprechend arbeitsreichen Regatten wie zuletzt beim Weltcup im polnischen Poznan. Am Sonntagnachmittag trennten sich ihre Wege jedoch. Jost fuhr zum Umladen nach Berlin und dann von dort aus am Montag mit den Trainer-Katamaranen und Material nach Obertraun am Hallstätter See, wo die erste Unmittelbare Wettkampfvorbereitung (UWV) auf die Olympischen Spiele für die Bereiche Männer und Frauen Skull stattfindet. Markus steuerte direkt Völkermarkt in Österreich an, wo der Bereich Männer Riemen sich schon traditionell auf Großereignisse vorbereitet und es am Dienstag losgeht. Katamarane und Material dorthin waren bereits am Freitag von Dortmund aus auf die Reise gegangen.

Die fünften Spiele für Markus Schmitz

Nach zwei Wochen heißt es für Beide, alles wieder aufzuladen und zurück in den hohen Norden. Ab 6. bzw. 8. Juli geht es in Ratzeburg mit der gemeinsamen UWV II weiter. Dann trennen sich die Wege erneut. Jost fliegt am 26. Juli nach Kanada, um sich um die WM zu kümmern. Markus plant die Anreise mit dem Boots- und Materialtransport zu den Olympischen Spielen schon für den 22. Juli, einen Tag vor der Mannschaft. Der Weg ist dieses Mal angenehm kurz, nur eine Halbtages-Tour von Dortmund aus. Das Stade Nautique in Vaires-sur-Marne kennt er schon vom Deutschland-Achter-Trainingslager im letzten Jahr. Es werden seine fünften Spiele seit Peking 2008. Die Regeln sind streng bei den Spielen: Der komfortable Anhänger mit Tresen und ständigem Kaffeevorrat, liebevoll „Pommesbude“ genannt, muss ebenso daheimbleiben wie die eigenen Zelte. Alles wird gestellt, soll einheitlich aussehen.

Jost Schömann-Finck betreut die WM

Nach den Olympischen Spielen folgt noch eine Weltmeisterschaft – in Übersee. Das bedeutet stets: lange Transportwege und -zeiten. Schon zehn Wochen (7. Juni) vor dem Beginn der Titelkämpfe im kanadischen St. Catharines (18. bis 25. August) sind zwei Material-Container mit 45 und 40 Fuß Größe auf die Reise per Zug und Schiff gegangen. Sie werden noch Ende Juni ankommen. Sehr früh, aber die Bootsmeister wollen auf Nummer sicher gehen. Das hat zwei Gründe. Der erste: Bei den beiden Weltmeisterschaften in Sarasota (USA) 2017 und 2019 trafen die Container so spät ein, dass die deutschen Ruderer im Training ohne Boote dastanden und – Markus erinnert sich mit Schrecken – Material ausleihen mussten. Der zweite Grund: wegen der günstigen Kosten absolviert die U19-Nationalmannschaft ihr finales Trainingslager vor der WM bereits in der Nähe von St. Catharines – entsprechend zeitig muss auch das Material da sein. Die Boote in den zwei nichtolympischen Klassen, die der DRV besetzen will (LW1x, LM4x), gehen in den Containern von Bootsbauer Empacher mit auf die Reise.

Um die Logistik für den Einsatz der Anschlusskaders Anfang Juli bei der Henley-Regatta müssen sie sich logistisch nicht kümmern. Die Boote werden überwiegend vom Veranstalter gestellt. Bei den Paralympics, die vier Wochen nach dem Olympischen Spielen in Paris stattfinden, kümmert sich Empacher um die deutsche Mannschaft.

Zuverlässiger Helfer-Kreis

Ohne zuverlässige Fahrer und Helfer, die bei den Regatten dabei sind, ginge es nicht. Ein bunt gemischter Kreis von 25 Personen: Rentner, Absolventen des Bundesfreiwilligendienstes (BFD), Studenten, aber auch eine Gruppe ehemaliger Bundespolizisten aus Ratzeburg. Was wenige wissen: Ein Helfer-Einsatz kann auch für die Verlängerung der Trainer-C-Lizenz angerechnet werden. „Das ist eine nette Truppe, alle sind mit Spaß dabei“, sagt Jost. Achter-Steuermann Jonas Wiesen ist früher auch Transporte gefahren, seine Frau Larina war auch schon dabei.

Die Lieblingsstrecke ist … nicht Luzern

Ihre persönliche Hitliste der Regatta-Anlagen erstellen Markus und Jost natürlich nach anderen Maßstäben als die Aktiven. Steht bei denen der Luzerner Rotsee fast immer an Position eins, kriegt er für die beiden Bootsmeister den letzten Platz. Der Bootsplatz ist mit den 18 Meter langen Gespannen  schlecht anzufahren, alles ist eng. Nach Regattaschluss kommt man nur zäh weg, selbst wenn man sich mit dem Aufsichtspersonal gut stellt. Als echter Traum präsentierte sich dagegen Szeged in Ungarn bei der diesjährigen EM: alles komplett eben, jede Menge Platz, der Boden befestigt, problemlose An- und Abfahrt mit den Bootsanhängern. Jedoch kommt die windanfällige Anlage beim Rudern leider selten zum Einsatz.

Quelle: rudern.de

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