Im Dezember hatten wir alle noch einen kleinen Hoffnungsschimmer, dass wir uns ja vielleicht doch für zwei Wochen an der Ruderakademie in Ratzeburg treffen dürften. Relativ bald wurde aber leider klar: alles wird online sein.

Einige von uns dachten sich sicher, dass das sehr langweilig werden wird. Wir werden sehen: Erster Tag war Montag, der 1. Februar 2021. Nach und nach trudelten alle Teilnehmer in unserem Zoom-Raum ein. Danach hat sich jeder einmal vorgestellt, wodurch wir alle einen ersten Eindruck der durchaus durchgemischten Gruppe bekamen. Von Junioren B bis Masters, von Wanderfahrer bis Wettkampfruderer und von Dorfregatten bis WM-Fahrern war alles vertreten.

Schon diese „bunte Mische“ machte die Trainerausbildung zu einem besonderen Erlebnis mit vielen neuen Eindrücken aus anderen Sichtweisen des Ruderns, denn eins hatten wir alle gemeinsam: Die Liebe zu unserem wundervollen Rudersport und der Wille unser (neu erlerntes) Wissen an unsere Schützlinge abzugeben.

Angefangen hatte unser Programm dann am Dienstag mit einem der wichtigsten Themen in der Jugendarbeit: es hieß für alle den Ehrenkodex zu unterzeichnen, und wir besprachen Themen wie den Jugendschutz, Prävention sexualisierter Gewalt im Sport und das Pararudern.

Außerdem hieß es für unsere 4 Gruppen (Nordwind, Baske AG, gROW together und Die Gescheuchten) sich nach dem Programm noch fleißig zusammen zu setzen und die Morgenzeitungen (News der Woche) oder unser Praxis-Workout (Teil der Prüfung) zu planen. Mittwoch und Donnerstag lernten wir dann durch Dr. Frank Heblich und Aric Brämswig dann ganz viel über unsere Körper, Krafttraining, Physiotherapie usw. Außerdem durften wir alle unsere Fragen zum Thema Sportmedizin stellen. Nach dem ersten Workout am Freitag hieß es nochmal vier Stunden seine Lauscher zu spitzen und mit Reinhart Grahn die wichtigsten Checkpunkte des Riemens und Skullens anhand von verschiedenen Stand- und Bewegbildern durchzugehen und zu analysieren.

Puh, die Halbzeit ist geschafft – okay, machen wir mal einen kurzen Zwischenstand: abhaken können wir die lustige Truppe, genügend Pausen, viele, viele neu gelernte Dinge und Spitzen-Referenten.

Am Wochenende gab es Aufgaben im edubreakSportcampus zu bearbeiteten. Dabei ging es um Themen zu Sicherheit auf dem Wasser, Inklusion, Engagement, Rumpfstabilisation, Trainingsprinzipien und Umgang mit Verschiedenheit.

Also ab in die zweite Woche. In der ersten Woche gab es nur vereinzelt kleine Probleme mit der Technik. Hoffen wir, dass dies auch in der zweiten Woche so bleiben wird. Schusselig wie manche von uns sind, mussten wir jeden Tag aufs Neue die E-Mail von Andreas mit dem Zoom-Link rauskramen.

Als wir am Montag alle eingeloggt waren, ging es los und wir hatten Jan Surhoff (U23-Landestrainer von Hamburg) den kompletten Tag für uns, um ihn mit hunderten von Fragen über Trainingsprinzipien, Trainingsplanung und Trainingskonzepte zu löchern. Am Nachmittag mussten wir dann selbst Hand anlegen und in Kleingruppen für bestimmte Fälle einen speziellen Trainingsplan auszuarbeiten. Nachdem nur die groben Rahmenbedingungen der Fälle vorgegeben waren, mussten wir uns einige Details noch ausdenken. Diese Chance der Schlupflöcher haben wir natürlich sofort genutzt und so sind beispielsweise aus dem Problem „zwei A-Junioren die beide auf WM wollen aber in einem ganz kleinen Bootshaus mit nur zwei Einern sind“, folgende Details entstanden: „Die beiden sind 90 kg schwere und 198 cm große Zwillinge, die beide aus dem Schwimmsport kommen und deshalb sehr gute Kraft und Ausdauer haben“ geworden. Dank der entspannten Atmosphäre wurden auch solche Witze ganz gelassen hingenommen und nur mit einem „clever“ kommentiert. Der Nachmittag verlief dann folgendermaßen: Jede Gruppe stellte ihren Trainingsplan vor und wurde durch Jan und die anderen kollegial beraten (eine Form der Kritik, welche wir direkt am ersten Dienstag gelernt hatten).

Neuer Tag neues Glück: Am Dienstag stand Boote trimmen mit Jost Schönmann-Finck von der Ruderakademie auf dem Programm. An einem Einer und auch dem nagelneuen Doppelvierer der Deutschen Skuller wurden uns viele Dinge gezeigt, erklärt und kleine praktische Tipps mit auf den Weg gegeben. Auch durch kleine WLAN- Ausfälle bei Jost und Andreas haben wir uns nicht abbringen lassen, und so haben in der Viertelstunde in der die beiden aus dem Zoom-Programm geschmissen wurden, einfach ein paar Leute aus unserer mittlerweile eingespielten Truppe das „Entertaining“ übernommen, bis es weiter gehen konnte. Auch Jost blieb von unserer Neugierigkeit natürlich nicht verschont und auch er wurde über die verschiedenen Eigenschaften von Skull- und Riemenblättern, Bauarten der Boote oder auch Kollegen aus dem DRV ausgefragt, doch stellte sich dem ganzen tapfer.

Dienstag, Mittwoch und Donnerstag der zweiten Woche waren unsere „Power-Sport“-Tage, da dort alle Gruppen die noch nicht dran waren, ihre Kameraden durch ihre Workouts geschleppt haben. Diese liefen folgendermaßen ab: Am Anfang hat einer der Gruppe eine Einleitung gehalten, um uns darauf vorzubereiten was kommen wird. Danach war ein Hauptteil und schließlich das Cool-Down. Danach gab es eine kurze Selbstreflektion der Gruppe und dann kamen von Andreas die zwei Standardsätze: Nr. 1 „macht ihnen ein Geschenk“; wir sollten also positive Punkte sagen und danach Nr. 2 „Und beim nächsten Mal …“. Das ist dann immer die Stelle für Kritik beziehungsweise Verbesserungsvorschläge gewesen. Alles in allem waren es echt vier gute und auch sehr anstrengende Workouts. Auch hier waren die Erfahrungsstände der Teilnehmer echt unterschiedlich. Manche machen seit Anfang Januar Online-Training und für andere wiederum war es eine total neue Erfahrung. Da wird es direkt wieder deutlich, dass in diesem Kurs jeder mal von jedem profitieren konnte.

Den vorletzten Tag unserer Ausbildung begannen wir mit Antje Zellmer und dem spannenden und wichtigem Thema Ernährung im Sport.

Die Zeit verging wie im Flug und schon sind wir mit meinem kleinen Report wieder in der Gegenwart angekommen. Heute war unser letzter Tag, an welchem wir die, von jeder Gruppe zu bestimmten Themengruppen, komplett unterschiedlich aufbereitenden Quizze machten, um den Stoff „abzuprüfen“ und zu wiederholen. Nach der finalen Feedbackrunde wurden die Lizenzen noch kurz besprochen, das Abschlussfoto durch einen Abschluss-Screenshot ersetzt und dann hieß es zum zehnten und letzten Mal 20-mal „Tschüüüüüüüs“, gefolgt von 20-mal winken in die Kamera.

Wenn ich das jetzt hier so schreibe wird man doch echt ein bisschen traurig, dass es vorbei ist, weil es echt ne coole Truppe mit sehr viel Spaß war. Tausend Dank Andreas, dass du das alles möglich gemacht, und so cool gestaltet hast. Wir haben echt viel gelernt und ich freue mich schon aufs nächste Training, um meinen Kids das Wissen zu vermitteln. Danke auch an alle oben schon erwähnten Referenten, die uns in ihren ganz persönlichen Fachgebieten sehr viel Wissen vermitteln konnten.

Einen letzten Dank habe ich noch: Danke an die tolle Gruppe und die letzten 12 Tage! Hoffentlich können wir uns nach dieser blöden Zeit alle mal in „reallife“ sehen und uns austauschen. Alles Gute an alle!

Judith Alkofer, Münchener Ruder- und Segelverein “Bayern”

0 Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.