Trainer A-Ausbildung 2020–2021

Über Virus und Heros

Wie das gesamte Jahr stand auch die Trainer A-Ausbildung an der Ruderakademie in Ratzeburg unter dem Einfluss der Pandemie, welche den organisatorischen Rahmen für die Veranstaltungen im November 2020 und April 2021 setzte. Während sich die Schulen und weite Teile der Arbeitswelt angesichts der Schutzmaßnahmen im Bereich der Digitalisierung üben, ist die Online-Lernplattform edubreak®Sportcampus mittlerweile fester Bestandteil in der Trainer-Aus- und Weiterbildung des DRV. Dies ermöglichte eine organisatorische und inhaltliche Vorbereitung auf die erste Präsenzphase im November, bei der auch pandemiebedingt so mancher den Weg nach Ratzeburg nur über das Zoom-Meeting schaffte.

Den Auftakt der ersten Veranstaltungswoche machte Sportdirektor Mario Woldt, welcher den angereisten Trainer*innen in seinem Vortrag die Verbandsarbeit hinter den Kulissen in den Bereichen Finanzen und besonders mit dem Potenzialanalysesystem PotAS näherbrachte. Auch so manche kritische Nachfrage lies der Referent zu und beantwortete diese transparent.

Mit Dr. Gaby Bußmann und Sophie Petzold kamen zwei bekannte Gesichter und echte Expertinnen auf die Ruderinsel zum Thema Sportpsychologie. Die Teilnehmer*innen profitierten von den vielseitigen Praxiserfahrungen der beiden Referentinnen im System Leistungssport, sodass der praktische Nutzen von wissenschaftlichen Inhalten im täglichen Umgang mit Sportler*innen herausgestellt wurde.

Neue Einblicke in die digitale Welt der Trainingsplanung und -dokumentation stellte Kay Winkert mit der Plattform Ludum dar. Das neue Trainingstool wird in den kommenden Jahren fester Begleiter der Trainer*innen sein und bietet interessante Möglichkeiten zur Individualisierung der Trainingssteuerung sowie der Evaluation der gewählten Trainingsinhalte und -methoden. Derzeit werden von Kay auf diversen Verbandsebenen Fortbildungsveranstaltungen zum Umgang mit Ludum durchgeführt, sodass wir in Zukunft konkreter mit der Plattform arbeiten können.

Die Brücke zwischen Teilnehmer und Referent schaffte Jochen Weber wohl am besten, der gleich in beiden Rollen auf Deutschlands bekannter Ruderinsel anwesend war. Der Bundestrainer zeigte uns tiefe Einblicke in den Para-Rudersport und dessen in vielerlei Hinsicht existierenden Besonderheiten. Ein interaktiver Schwerpunkt war der Austausch über die biomechanischen Möglichkeiten zur Optimierung der Hebel. Anknüpfend an diese rudertechnischen Besonderheiten referierte der Leiter der Ruderakademie Reinhard Grahn zum Thema „Rudertechnisches Leitbild des DRV“. Schnell wurde klar, dass dieses Leitbild in vielen Teilen einen Konsens darstellt, aber auch kritisch diskutiert werden kann. Nach einer intensiven fachlichen Diskussion folgte letztendlich der Konsens, dass zur zentralen Bildung von Mannschaftsbooten grundsätzliche rudertechnische Aspekte des Leitbildes erfolgreich forciert werden müssen.

Die Optimierung der Wirksamkeit von Trainingsreizen stand beim Vortrag zum Thema Ernährung von Uwe von Renteln im Mittelpunkt, der einigen schon aus der Trainer B-Ausbildung bekannt war. Uwe konnte durch konkrete Beispiele eindrücklich zeigen, welche komplexen Einflüsse gezielte Ernährungsstrategien auf das sportliche Training und die Wettkampfleistung haben.

Bundetrainer Dirk Brockmann rundete die erste Präsenzphase mit seiner praxisnahen Darstellung der Inhalte zur Trainingsplanung erfolgreich ab. In dem Vortrag konnte über die Ausarbeitung einer Jahresplanung hinaus festgehalten, dass durch eine konsequente Umsetzung des langfristigen Leistungsaufbaus auch noch in den älteren Jahrgangsklassen Potenzial freigesetzt werden kann, das Sportler*innen international wettkampffähig macht.

Zusammen auf Distanz

Die zweite Praxisphase im dritten Lockdown (oder war es schon der vierte!?) führte zu einem Zusammenkommen der Trainer*innen via Zoom. Dieses Format war zu diesem Zeitpunkt wohl Niemandem mehr neu, dennoch verlangte es eine gute Moderation durch den Bildungsreferenten Andreas König, der die Gruppe auch unter Distanzbedingungen über die gesamte Woche zusammenhielt und immer wieder einen kollegialen Austausch zwischen den Trainer*innen anregte.
Ein wesentlicher Bestandteil der zweiten Phase war die Präsentation der wissenschaftlichen Poster, die als Endprodukt der Auseinandersetzung mit spezifischen Inhalten zum Rudersport von den Teilnehmer*innen präsentiert wurden. Interessant war die inhaltliche Streuung, die auch die Komplexität und Vielschichtigkeit der Sportart Rudern widerspiegelte.

Einleitend in den referierten Part der Praxisphase gab Verbandsarzt Uli Kau den angehenden A-Trainer*innen einige Insider-Einblicke in die sportmedizinischen Bedürfnisse der Spitzenathlet*innen, wobei auch die ein oder andere Geschichte um die Geschehnisse auf den großen Wettkämpfen nicht fehlen durfte.

Mit Christian Viedt erhielten die Teilnehmer*innen eine eher mechanisch geprägte Perspektive auf die Riemenrudertechnik. Hierbei stellte der U23-Bundestrainer gleich eine rudertechnische Wunschliste an die Vereins- und Stützpunkttrainer*innen auf und betonte die Bedeutsamkeit einer hohen Bewegungsqualität für die internationalen Erfolgsaussichten im A-Bereich.

Sportphysiologe und Wissenschaftskoordinator Gunnar Treff gab nach einer allgemeinen Einführung in die physiologischen Grundlagen wichtige Bestandteile seines umfangreichen sportartspezifischen Wissens über die Leistungsphysiologie an das Trainer*innenpublikum weiter. Insbesondere die wettkampfspezifischen Erkenntnisse der Leistungsphysiologie brachten viele Trainer*innen auf neue Ideen für die Gestaltung ihrer Trainingspraxis.
Mit dem Langhantelexperten Martin Zawieja kam ein echter Praktiker zum Vorschein, der getreu dem Motto „Planen kann man viel, man muss es aber auch probieren!“ direkt zum Mitmachen aufforderte. Neben der Wiederholung bereits bekannter und der Einführung erweiternder Langhanteltechniken, komplettierte der Krafttrainingsspezialist das Übungsrepertoire des interessierten Publikums. Neben der vielen interaktiven Phasen kam die Trainingsplanung nicht zu kurz. Aufbauend auf die Inhalte aus den vorherigen Ausbildungsstufen erfolgten Kraftplanungen auf Makro- und Mikroebene – immer am konkreten Beispiel des Rudersports.

Nach Abschluss eines langen Ausbildungstages konnten sich dann alle Teilnehmer*innen mit der Trainer A-Lizenz schmücken. Ein Feiern auf Distanz blieb dabei sowohl aus logistischen Gründen aus, wie auch aufgrund der Tatsache, dass für den Großteil der Teilnehmenden am nächsten Tag die Anreise zur Kleinbootüberprüfung nach Hamburg anstand. Dort konnte man sich dann wenigstens doch nochmal live und in Farbe austauschen und sich gegenseitig beglückwünschen.

Wir bedanken uns herzlich bei allen Referenten, die uns mit neuem Input und interessanten Ideen für die Stützpunkt und Vereinsarbeit versorgt haben – denn jede Theorie ist nur gut, wenn sie der Praxis nützt. Ein besonderes Dankeschön gilt Andreas König, der für eine gute Atmosphäre in der zweiten Woche gesorgt und etwas mehr Nähe in die Veranstaltung auf Distanz gebracht hat!

Absolventen

Mark Biro, Katrin Eggebrecht, René Flaschmann, Simon Frank, Lukas Gäßler, Benedikt Göller, Paul Habermann, Charlotte Hebbelmann, Grit Hermann, Claudia Herpertz, Thomas Ihnen, Robin Lützkendorf, Morten Schult, Ulrich Temme, Jens Tepe, Christian Wärmer, Jochen Weber, Thomas Wichelhaus

Bericht: Benedikt Gölller, Ruderverein Münster von 1882

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